Jasmin N.Weidner
 ISBN:978-3945033401                          ISBN: 978-3958760585

 

 

Die Liebe findet ihn. Den einen kleinen Moment.
Den Sprung in die Liebe und den Sprung in den Kummer.
Keine großen Gesten, winzige Situationen.
Ehrliche Gefühle, beschützt von kleinen Lügen.
Große Lügen, frei von Gefühlen.

Zwischen glücklicher und unglücklicher Liebe, zwischen Einsam- und Vollkommenheit gibt es diesen einen kleinen Moment. Er trennt uns von den anderen Menschen dieser Welt, verbindet uns dabei mit ihnen.

Von dieser Verbindung handeln diese Kurzgeschichten der Liebe. Sie & Er. Er & Sie.
Das ist das, was bleibt.
 

 

 

Die Liebe findet ihn.

Immer.

           Immer wieder.

Der kleine Moment, der Sprung. Der Absprung. Zwischen Einsamkeit und Einheit. Liebe.

Verbunden in Situationen.

Keine Gesten.

 

Nur der Moment

 

 

Leseprobe aus Rotwein und Cracker / Auszug aus Geschichte "Sie und Er"

Sie trafen sich auf einem Konzert. Es war laut, die Menschen schwitzig, die Stimmung gut.

Bis sie kippte.

Der Betrunkene warf sich von der Bühne – nicht auf die Menschen, in den Graben.

Sie lachten, fanden es lustig.

Der Betrunkene blutete.

Die Sicherheitsmänner brachten ihn unauffällig aus dem Raum.

Sie kippte weiter, die Stimmung, wieder gut. Kein blutender Betrunkener im Graben.

Im Rhythmus bewegt sie ihre Haare, ihre Hüfte. Sie fällt mit geschlossenen Augen in die Musik, achtet nicht mehr auf das, was sie umgibt. Er lehnt an der Wand, die Bierflasche zwischen den Fingern.

Er stellt sich ihre Bewegungen vor. Im rhythmischen Miteinander.

In gewohnt gekonnter Manier schiebt er sich auf die Tanzfläche, an sie heran und sich um sie herum.

Sie schaut auf, lächelt, dreht sich weg.

Sie will tanzen, nicht jagen, nicht erlegt werden.

Die Band spielt einen langsamen Song an, sie atmet tief durch, streicht sich die Haare aus der verschwitzten Stirn. An ihrem Handgelenk trägt sie ein Haarband.

Sie zwirbelt ihre Haare zu einem Knoten, holt sich ein Bier an der Theke und geht an die frische Luft - weiter in den Außenbereich.

Langsame Lieder sorgen für schnelle Gedanken, dabei will sie tanzen. Wegtanzen. Alles erlegen, was ihr in den Tag tropfte.

Der Club ist klein. Auf dem Weg zur Toilette kommt er an ihr vorbei, lächelt sie an.

Sie hebt ihr Bier, prostet ihm zu und nimmt einen tiefen Schluck.

 Aufgefordert spricht er sie an:

„Ich habe Dich tanzen sehen.“

 Sie sagt nichts, legt den Kopf zur Seite, blickt fragend.

„Du tanzt gut“, ergänzt er. Zögerlich. Unsicher, ob sie das hören möchte, was er zu sagen hat.

 Die Band hat wieder zu dem alten Tempo gefunden, laut dröhnt der Bass durch die Wände, zieht sie zurück auf die Tanzfläche.

Verwundert schaut er ihr nach, versteht sie nicht. Angenehm ist ihm die Distanz, die sie ausstrahlt.

Angenehm ist ihm dieses Mysteriöse.

Sie plappert nicht, sie lächelt.

 

Jasmin N.Weidner -Autorin